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Notfallübung „Charly 2009“ auf dem Airport Weeze (Autor: Kreis Kleve)

Kreis Kleve - Rund 350 Teilnehmer probten im Rahmen der dritten großen ICAO-Übung unter der Bezeichnung „Charly 2009“ am 9. Juni 2009 auf dem Airport Weeze den Ernstfall. Dabei wurde von folgendem Szenario ausgegangen:

Ein Flugzeug der Airline Air Exercise mit der Flugnummer AEX 112 befindet sich auf dem Weg vom Flughafen Malaga zum Airport Weeze. An Bord sind 107 Passagiere und 5 Besatzungsmitglieder. Während des Fluges wird bei 16 der 107 Passagiere eine fiebrige Infektionskrankheit mit unterschiedlichen Erkrankungsmerkmalen festgestellt. Der Kapitän informiert hierüber den Airport Weeze.

Zwar soll das Flugzeug erst um 19:00 Uhr landen, aber bereits um 18:00 Uhr löst der Tower den Alarm bei der Flughafenfeuerwehr aus, die unverzüglich den Krisenstab des Airports und die Leitstelle des Kreises Kleve für Feuerschutz und Rettungsdienst alarmiert. Es handelt sich damit um den Verdachtsfall eines Seucheninfektionsgeschehens.

Im späteren Verlauf der Übung stellt sich heraus, dass es sich bei der Erkrankung um eine bakterielle Meningitis mit Ansteckungsrisiko handelt.

Die Übung
Das angenommene Übungsszenario lief sowohl nach dem Notfallplan des Flughafens als auch nach dem Sonderschutzplan Airport Niederrhein des Kreises Kleve unter der Bezeichnung „Alarmstufe Sierra 6 (Medizinischer Massennotfall)“. Dies ist eine von 16 verschiedenen möglichen Schadenslagen im Zusammenhang mit Luftverkehr.
Die nötigen Maßnahmen liefen sodann nach dem Sonderalarmplan „MANV“ ab, einem Einsatzplan des Kreises Kleve zur Bewältigung von Schadensereignissen mit einer größeren Anzahl Verletzter oder Kranker.

Massenanfall von Erkrankten
Die Einleitung der erforderlichen Maßnahmen und die Alarmierung der benötigten Einsatzkräfte erfolgte über die Kreisleitstelle. Es wurde davon ausgegangen, dass die Anzahl der zu behandelnden und zu betreuenden Menschen die Versorgungskapazitäten des planmäßigen (Regel-) Rettungsdienstes übersteigt. In einem solchen Fall spricht man unter Fachleuten von einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten, einem „MANV“. Hierfür hat der Kreis Kleve den bereits erwähnten Sonderalarmplan „MANV aufgestellt.
Vor diesem Hintergrund galt bei der Übung dem Zusammenspiel von Einsatzkräften der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Hilfsorganisationen, hier des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und des Malteserhilfsdienstes (MHD), beim Betrieb eines Behandlungsplatzes ein besonderes Augenmerk. Dabei war das Gesundheitsamt zu integrieren, das u. a. für die Anordnung seuchenrechtlicher Schutzmaßnahmen und Beratung sowie Erfassung von Kontaktpersonen zu sorgen hatte.

Bürgertelefon/Personenauskunftsstelle des Kreises Kleve
Wie bereits bei der ICAO-Übung 2007 wurde ein Bürgertelefon mit Personenauskunftsstelle durch den Kreis bereitgestellt. Das Personal ist geschult, um Anfragen von Angehörigen oder Betroffenen aufzunehmen und mit einem webbasierten polizeilichen Verfahren, dem sogenannten GSL.net, abzustimmen.
Damit wird zum einen dem Bedürfnis auf Information der Angehörigen Rechnung getragen, zum anderen werden aber auch die vor Ort aufgenommenen Daten mit denen der Angehörigen vernetzt und können von der Polizei in deren Interesse ausgewertet werden.
Gleichzeitig können besorgte Anrufer informiert werden, die sonst Notrufe von Polizei und Rettungsdienst in den Leitstellen blockieren würden.

Einsatzleitung
Der Kreisbrandmeister richtete zur Führung und Leitung des Gesamteinsatzes vor Ort eine Einsatzleitung ein. Diese nutzte den Einsatzleitwagen des Kreises und war mit Feuerwehrführungskräften (u.a. dem niederländischen Verbindungsoffizier) und Fachberatern besetzt.

Feuerwehr
Neben der Flughafenfeuerwehr nahmen Feuerwehreinheiten aus Geldern und Kranenburg an der Übung teil. Insgesamt waren ca. 50 Feuerwehr-Angehörige im Einsatz. Die Freiwillige Feuerwehr Kranenburg war im Rahmen des MANV-Plans insbesondere für den Aufbau und die Sichrung des Behandlungsplatzes zuständig. Außerdem übernahm sie den Patiententransport innerhalb des Behandlungsplatzes.
Die Freiwillige Feuerwehr Geldern stellte eine sogenannte Dekon-Gruppe zur Verfügung, die im Bedarfsfall für die Dekontamination der Einsatzkräfte eingesetzt worden wäre.

Rettungsdienst / Gesundheitsamt
Der Rettungsdienst des Kreises Kleve war mit mehreren Notärzten und Organisatorischen Leitern an der Übung beteiligt. Der Regelrettungdienst war im Kreisgebiet in der Zeit der Übung sichergestellt.
Das Gesundheitsamt des Kreises Kleve stellte in Zusammenarbeit mit dem hinzugezogenen Notarzt die Verdachtsdiagnose und leitete weitere Diagnosemaßnahmen ein. Außerdem veranlasste das Gesundheitsamt die Sicherung des Flugzeugs und eine Quarantäneanordnung für alle Erkrankten und Krankheits- sowie Ansteckungsverdächtigen.

Hilfsorganisationen (DRK und MHD)
Die Hilfsorganisationen des Sanitäts- und Betreuungsdienstes von DRK und MHD sind beim Betrieb eines Behandlungs- und Betreuungsplatzes unverzichtbar. Sie unterstützten die Übung zudem mit rd. 100 Darstellern von Erkrankten und zu Betreuenden. Insgesamt waren ca. 180 Kräfte von MHD und DRK eingesetzt, die auch für die Verpflegung sämtlicher bungsteilnehmer sorgten.

Zusammenfassung
Aus Sicht des Kreises Kleve stand bei der ICAO-Übung 2009 insbesondere das Zusammenspiel aller beteiligten Kräfte beim Aufbau und Betrieb des Behandlungsplatzes (MANV-Plan) vor dem Hintergrund eines vermuteten Seucheninfektionsgeschehens im Mittelpunkt.
Ein weiterer Schwerpunkt lag in der Erprobung seiner Personenakunftsstelle.



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